Kiez&Kneipe: Julius Leber – ein Schöneberger Sozialdemokrat

29.03.2018 |

Die SPD Schöneberg hat am 22. März im Rahmen ihrer Reihe „Kiez&Kneipe“  Mitglieder und Interessierte zur Lesung aus „Sozialdemokrat - Widerstandskämpfer –Europäer. Julius Leber.“ eingeladen. Die Historikerin und Autorin Ruth Möller, langjähriges SPD-Mitglied, las Auszüge aus dem Buch, das sie 2013 mit Claus Jander verfasste, und diskutierte mit gut 30 Zuhörern im Café Bilderbuch.

Der Schöneberger SPD-Vorsitzende Michael Biel führte in die Veranstaltung mit einem biographischen Abriss über Julius Leber ein, dessen Lebensmittelpunkt für eine Zeit in Schöneberg lag. Getarnt als Kohlenhändler auf der „Roten Insel“ in der Torgauer Straße organisierte er mit Gleichgesinnten den Widerstand gegen den Naziterror. Bereits vor dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er verhaftet, da er bei einer Besprechung mit drei hochrangigen Vertretern der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation von der Gestapo bespitzelt wurde. Leber wurde in einem Schauprozess zum Tode verurteilt, das Urteil am 5. Januar 1945 in Plötzensee vollstreckt.

Im Gespräch berichtete Ruth Möller, die Bundeswehrreservistin ist, über ihre Motivation, sich mit Julius Leber zu beschäftigen. Hier nannte sie zum einen Lebers Ansicht, Soldaten seien als Teil der neuen demokratischen Republik anzusehen, die eine wehrhafte Republik sein soll. Zudem führten Lebers Erfahrungen an der Ostfront und sein Aufwachsen und Studium im Elsass, das seit dem 17. Jahrhundert bis 1945 mehrfach die politische Zugehörigkeit wechselte, zu der Erkenntnis, dass die europäische Einigung unumstößlich sei. Lebers Verdienst ist das „unbedingte Eintreten für die Republik, für die neue Staatsform Demokratie“, so Möller. Leber war stets den Menschen zugewandt, er hörte zu und erklärte. Sein Credo: Politische Arbeit darf  nicht in Populismus ausarten. Ob Politikerpersönlichkeiten wie er heute zu finden sind, beantwortete Möller im Hinblick auf die gegenwärtigen Herausforderungen, die es gibt. Heute ist eine neue Situation, aber es ist eine Situation der Krisen, der Flüchtlingsproblematik, viele Bürger haben Angst: „Die da oben“ sehen den einzelnen Mitbürger nicht. Ein Hinweis dafür, dass und wohin sich die SPD „erneuern“ sollte.

In der Lesung wurden die Lebensstationen Lübeck – hier war Leber Chefredakteur des sozialdemokratischen Lübecker Volksboten und Mitglied der Lübecker Bürgerschaft -  und Schöneberg, von wo er nach der Entlassung aus dem Konzentrationslager ab 1937 im Widerstand arbeitete, gestreift. Außerdem las Ruth Möller Passagen über Lebers Frau Annedore, die nach 1945 in Schöneberg den Kohlenhandel weiterbetrieb, dort den Mosaik-Verlag gründete und u.a. als Berliner SPD-Stadtverordnete politische Akzente setzte. Am Ort der im Krieg zerstörten Kohlenhandlung baute sie ein neues Gebäude, das heute Lern- und Gedenkort ist.

In der Diskussion mit den Zuhörern stand vornehmlich der Mensch Julius Leber, die Abschaffung der Wehrpflicht sowie Lebers Haltung gegenüber den Kommunisten im Fokus.

Autorin: Corinna Volkmann