Großer Widerstand gegen Bordellpläne
12.10.2007: Veranstaltung im "Pallast" überfüllt, Weitere 1.700 Protestunterschriften.
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Großes Interesse an der Informations-Veranstaltung des Bezirksamts |
Der große Saal des Jugendzentrums "Pallast" war überfüllt, Die durch die Pläne für ein "Laufhaus" (Bordell) im ehemaligen Wegert-Haus aufgebrachten Anwohner und Gewerbetreibenden standen bis auf den Flur hinaus, um zu hören wie es weitergeht.
Dr. Andreas Fuhr, Pastor der Zwölf-Apostel-Kirche, fasste die Entwicklung zusammen: Der Kiez habe stets den Ausgleich mit den Prostituierten gesucht, die sich bis vor einiger Zeit fast ausschließlich zur Drogenbeschaffung angedient hätten. Niemand habe die Frauen vertreiben wollen, es sei vielmehr ein Gleichgewicht von leben und leben lassen vorhanden gewesen. Dies habe sich allerdings durch das Auftauchen der osteuropäischen Frauen verändert. Deren Auftreten und aggressives Verhalten gefährde das Gleichgewicht. Eine Besserung der Situation sei durch das Laufhaus nicht zu erwarten.
Regine Wosnitza von der IG Potsdamer Straße befürchtet, dass die bisherigen Bemühungen der IG, die Potsdamer Straße als Medienstandort zu profilieren, durch die sich verschärfende Situation des Straßenstrichs konterkariert würde.
Ob Anwohner, besorgte Eltern, Quartiers-Management-Mitarbeiter oder Geschäftsleute, alle, die an dem Abend zu Wort kamen, wandten sich nicht gegen die einzelnen Prostituierten oder wollten die Prostitution vollständig aus dem Gebiet verdrängen. Die jüngsten Entwicklungen seien aber derartige Auswüchse, dass viele, die man im Kiez halten möchte, über kurz oder lang wegzögen. Die Umsätze der Geschäfte gehen spürbar zurück, Frauen würden auf der Straße von Freiern und Prostituierten angegangen, Männer bekämen aufdringlich aggressiv vorgetragene Angebote, Kinder stellten Fragen, die die Eltern nicht mehr beantworten können.
Vor der Veranstaltung wurden Kopien eines Kommentars aus der Berliner Zeitung vom selben Tage verteilt, der aussagte, es sei nicht ausgemacht, dass ein Bordell mit 40 Zimmern die Lage wirklich verschärfen würde. Die Anwesenden waren deutlich anderer Meinung. Niemand brachte die Laufhaus-Pläne mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Prostituierten in Verbindung. Allgemein herrschte die Einschätzung, es komme noch ein Angebot hinzu und für die Prostituierten auf dem Straßenstrich ändere sich gar nichts. Es bleibe bei der Zuhälter-Abhängigkeit und bei der Gesundheitsgefährdung durch ungeschützten Verkehr insbesondere für die Frauen aus Osteuropa.
Stephanie Klee vom Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen e.V. forderte den Senat auf, sich Gedanken über die Arbeitsbedingungen der Prostituierten zu machen. Es könne nicht angehen, dass man auf der einen Seite mit dem Bauordnungsrecht gegen die Wohnungsbordelle in der ganzen Stadt vorgehe und sich anschließend über das Erstarken der Straßenprostitution aufrege. Eine Position, die ihr viel Beifall und Zustimmung einbrachte.
Das Bezirksamt war komplett erschienen, um deutlich zu machen, dass es sich in der Beurteilung der Situation einig ist und nicht eine Partei versuchen sollte, sich auf Kosten des gemeinsamen Anliegens zu profilieren. Bezirksbürgermeister Ekkehard Band, dem zu Anfang der Veranstaltung weitere 1.706 Unterschriften gegen das Bordell übergeben wurden, formulierte die Haltung des Bezirks: "Das Bezirksamt ist in Gänze entschlossen, Ihnen zu helfen", versicherte er den Versammelten. "Wenn es einen Weg gibt, das Bauvorhaben zu verhindern, werden wir ihn beschreiten." Der Bezirk habe viel Geld und Engagement in Nord-Schöneberg gesteckt. Die jetzige Entwicklung gefährde die bisherige Aufbauarbeit.
Bands Einschränkung "wenn es einen Weg gibt" wurde durch Baustadtrat Krömer untersetzt. Er wies darauf hin, dass ein Bordell nach dem jetzigen planungsrechtlichen Status des Bereiches grundsätzlich genehmigungsfähig und damit genehmigungspflichtig ist. Man könne eine solche Nutzung nur in eng umrissenen Ausnahmefällen unterbinden, die wohlbegründet werden müssen. Eine mögliche Begründung sei die schädliche Ausstrahlung der Kerngebietsnutzung in benachbarte Wohngebiete. Diese kann aber nicht einfach behauptet werden, sondern müsse nachweisbar sein. Krömer sagte: "Ich will das Bordell nicht genehmigen, wenn ich irgend kann. Jeder Brief, in dem Sie mir die Zustände beschreiben, hilft mir bei der Begründung einer Ablehnung."
Siehe auch: www.spd-fraktion-tempelhof-schoeneberg.de/?nr=1080
www.tagesspiegel.de/berlin/Schoeneberg-Bordell;art270,2398799








