Senator Zöllner zu Gast in der SPD Schöneberg

19.02.2009: Verbesserte Förderung durch Strukturreform

  

Auf Einladung der Abteilung Schöneberg kam Bildungssenator Zöllner am Dienstag zur Diskussionsveranstaltung über die Entwicklung der Berliner Schulstruktur. Zu Beginn stellte Jürgen Zöllner die aktuelle Senatsoffensive zur Verbesserung der Situation der Lehrkräfte vor. Es sei eng geworden auf dem Lehrermarkt, das habe die letzte Einstellungsrunde gezeigt, erklärte der Senator. Dieses beschlossene Maßnahmenbündel sei unerlässlich, um für das Berliner Schulsystem gut ausgebildete und motivierte Lehrerinnen und Lehrer zu bekommen. "Im Wesentlichen bekommen die Lehrkräfte einen deutlichen Gehaltszuschlag. Außerdem werden wir die Qualität steigern, in dem die Zahl der Referendariatsplätze um zusätzliche 300 Plätze auf 2.200 gesteigert wird und ab sofort jährlich 1.000 statt 850 Absolventen eines Jahrganges das Lehramtstudium absolvieren können", erklärte Zöllner das Vorhaben.

Zur Schulstruktur sagte der Senator, dass man sich der derzeitigen Probleme absolut bewusst ist. Hier seien u. a. die Situation an den Hauptschulen, die Umstellung durch die Verkürzung der Schulzeit für Abiturienten sowie die mangelnde Verzahnung zwischen den verschiedenen Bildungsabschnitten zu nennen. Hauptansatzpunkt der Schulstrukturreform sei die Zusammenlegung der Haupt-, Real- und Gesamtschulen zur integrativen Sekundarschule in Form der gebundenen Ganztagsschule. Dabei werden die jetzigen Gymnasien Bestand haben; allerdings sei zukünftig das so genannte Abschulen - der Wechsel vom Gymnasium in eine Realschule bei nicht ausreichender Leistung- nicht mehr möglich. Hier müssten dann die Gymnasien Einsatz zeigen und die betroffenen Kinder durch neue Konzepte zum Abitur führen. Hinsichtlich des Gymnasialzuganges müssten neben dem Elternwillen weitere Formen der Zugangsberechtigung geprüft werden. Dies sei für den Senator ein wichtiger Diskussionsprozess, da klar sei, dass alle Möglichkeiten wie zum Beispiel zusätzliche Aufnahmeprüfungen oder Beurteilungen nach Noten alle ihre Vor- und Nachteile haben. "Ein wichtiger Punkt ist außerdem das duale Lernen als Praxis- und Berufsorientierung für alle Schülerinnen und Schüler. Das entsteht in Kooperation mit den Kammern und Verbänden der Berliner Wirtschaft. Für Schülerinnen und Schüler mit erheblichen Leistungsrückständen ist die Teilnahme ab Jahrgangsstufe 9 an den verschiedenen Angeboten verpflichtend", sagte Jürgen Zöllner. Es sei ja kein Geheimnis, dass es junge Menschen gibt, die besser praxisorientiert lernen können.

  

Wie viele Genossinnen und Genossen begrüßte der Wahlkreisabgeordnete Lars Oberg die Strukturreform als "Schritt in die richtige Richtung". Langfristiges Ziel sei weiterhin für die SPD die Gemeinschaftsschule, dem man sich jetzt - da "die Zweigliedrigkeit nicht zementiert" sei - genähert habe. Lars Oberg mahnte an, die Verzahnung zwischen dem Kindergarten und der Grundschule stark zu verbessert. Ansonsten helfe zum Beispiel das in den Kitas geführte Sprachstandslerntagebuch nicht, wenn dieses Wissen nicht an die Grundschulen weitergegeben werde. Hier kündigte Zöllner eine eigene Initiative an. Eine weitere Frage stellt Lars Oberg zu der zukünftigen Lehrerzuweisung. Dazu meinte Zöllner, dass er "aus Betroffenen Beteiligte machen will". Wenn man den Anspruch nach verbesserten Strukturen ernst nehme, sei die klassische Lehrerzuweisung nicht mehr möglich. Hier müsse man bezirksweise schauen, wie der Bedarf sei und ein der Realität angemessenes System entwickeln. Der Bedarf zwischen einer Klasse in Zehlendorf und einer in Neukölln differiere nun mal. Hier könne er sich eine Sockelzuweisung in Verbindung mit einer Strukturzuweisung vorstellen, die man an bestimmten Parametern messen würde. "Dieser Schritt kann erst geschehen, wenn wir genau wissen, welche Schule mit welcher zusammengeht und dadurch klar wird, wo die zusätzlichen Ressourcen nötig sind", sagte Zöllner.

  

Neben diesen Punkten wurde u. a. auch lebhaft über das Verhältnis zwischen den Schulen und der Jugendhilfe, Bildungsausgaben und die zukünftigen Praxisklassen diskutiert. Als eine weitere wichtige "Baustelle" identifizierte Bildungssenator Zöllner den Fort- und Weiterbildungsbereich.

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