Rainer Thamms Kiez-Nachrichten im Juni 2006
21.06.2006: Stadtumbau und Runde Tische: Rainer Thamm - Kiezpatriot und unser unermüdlicher Chronist - zu den neuesten Entwicklungen und Gerüchten aus dem Abteilungsgebiet.
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Rainer Thamm |
Stadtumbau und Runde Tische
Frau Dr. Ziemer ist eine ganz Eifrige. Gleich mehrfach lud sie in letzter Zeit zu Informationsveranstaltungen in und über unseren Abteilungsbereich ein. Positiv anzumerken ist, dass sie nicht wieder zur Wahl steht und dennoch ihre Arbeit macht. Das ist nicht unbedingt die Regel.
Im November vergangenen Jahres beschloss der Senat, inzwischen vernachlässigten Gebieten im Westen Berlins auf die Beine zu helfen. Zu den fünf ausgewählten Gebieten gehört "Schöneberg-Südkreuz", was nicht unbedingt mit dem neuen Fernbahnhof selbst zu tun hat, sondern mit mehreren Gebieten, die vom Bahnverkehr umschlossen sind, beginnend am "Flaschenhals" an den Yorckbrücken bis zum Gasag-Gelände an der Torgauer Straße und dem Gewerbegebiet Naumannstraße. Für jedes Gebiet sollen Initiativen angeregt werden, wofür nicht übermäßig viel Geld vorhanden ist. Aber man könnte beim Geldbeschaffen Hilfestellung geben.
In der gut besuchten Auftaktveranstaltung im Rathaus Schöneberg wurde ein "Runder Tisch Bautzener Straße" vereinbart. Auf diese Gegend wurden wir vor einem Jahr aufmerksam, als "Berlins härtester Bürgermeister" dort Autos abschleppen ließ. Bei dieser Gelegenheit erinnerten wir uns an illegalen Autohandel, an ausgekipptes Öl und kontaminierten Boden und an hässliche Baracken in einer nicht zu Ende sanierten Umgebung mit zwei Obdachlosenheimen. Und weniger an August Bebels Wohnsitz in der Großgörschenstraße.
Es hat sich eine Anwohnerinitiative Flaschenhals - Bautzener Straße gebildet, die ihre Positionen und Erwartungen vortrug. Die Initiative hat vor, regelmäßig zu tagen, Eigentümer- und Mieterversammlungen durchzuführen und in Zusammenarbeit mit BVV und Bezirksamt ihre Gestaltungsziele zu verfolgen.
Ich meine, diese Ziele sind sinnvoll, nachvollziehbar und unterstützenswert. Die anwesenden Vertreter unserer Abteilung boten daher auch ihre Zusammenarbeit und Unterstützung an. Die "Grundpositionen" der Initiative: Erhalt der Wohnnutzung an der Bautzener Straße, Ausbau zu einer beruhigten Wohnstraße, Nutzung der angrenzenden Flächen als Grün- und Freizeitareale, Gestaltung der Flächen entlang der Bautzener Straße als Erweiterung bzw. Fortführung des Gleisdreieckparks, Ablehnung aktueller Planungen für zusätzliche und überwiegend gewerbliche Nutzung von Flächen entlang der Bautzener Straße, Lärmschutzmaßnahmen angesichts höherer Frequentierung der Bahngleise, Hilfe für die Eigentümer von Häusern und Wohnungen durch den Bezirk bei der Werterhaltung ihres Eigentums.
Ein weiterer "Runder Tisch" ist für den 27. Juni geplant. (siehe Termine)
Wie verabredet, fand am 14. Juni ein "Runder Tisch Naumannstraße" im Südteil des Geländes statt. Das erste Treffen hierzu gab es bereits vor eineinhalb Jahren, und seitdem scheint nicht viel passiert zu sein, obwohl ein Gebietsmanager eingestellt wurde. Die Bahn hatte sich geweigert, vor dem 28. Mai den "Städtebaulichen Vertrag" zu unterschreiben, weil sie bis zum 27. Mai ein Grundstück als Baustelle für den Bahnhof Südkreuz benötige. Eine nicht einsehbare Begründung, aber nun ist der Bahnhof in Betrieb, der Vertrag, der Grundlage für die Beantragung von GA-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe) ist, aber immer noch nicht unterschrieben. Aber nun soll es losgehen. Bei der Veranstaltung (etwa 70 Anwesende vor dem Spiel Deutschland - Polen) wurden viele Fragen nochmals gestellt und beantwortet, vor allem ging es um die beruflichen Interessen und Perspektiven der anwesenden Gewerbetreibenden.
Ein weiterer "Runder Tisch" ist für September vorgesehen.
Vor einem Monat, am 18. Mai, gab es einen anderen "Runden Tisch", diesmal zum Innsbrucker Platz. Schülerinnen und Schüler der Waldenburg- und der Riesengebirgs-Hauptschule hatten sich Gedanken über die Umgestaltung des Innsbrucker Platzes gemacht, ihre Vorschläge am Platz in einem Bauwagen vorgestellt und nun auch in dieser Veranstaltung präsentiert. Dabei stießen sie auf die "Bedenken und Anregungen" der Verwaltung in Gestalt des Stadtplanungsamts und des Baustadtrats. Immerhin gab es keine "Das haben wir noch nie so gemacht, da könnte ja jeder kommen"-Atmosphäre, sondern ein lockeres Aufeinandereingehen. Eine Fortsetzung soll folgen. Und ich hoffe, dass die Hauptschüler nicht frustriert aufgeben, weil sie sich die Zähne an der Verwaltung ausgebissen haben, sondern dass die eine oder andere Idee vor ihrer Rente verwirklicht werden kann.
Andere nette Neuigkeiten
Am Kaiser-Wilhelm-.Platz kann man täglich den Baufortschritt beobachten und wetten, dass rechtzeitig vor der Wahl noch ein schöner Staatsakt stattfinden wird.
Inzwischen tauchte das Gerücht auf, dass auch noch vor der Wahl ein erster Spatenstich für den S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke (Kolonnenstraße) getan werden soll.
Hoffen wir, dass der Spaten nicht anschließend verloren geht und man vergisst, ihn zu suchen.
Im Bauausschuss konnte mal wieder über den "Prälat" gesprochen werden, weil Eigentümer Lidl eine neue Planung vorgelegt hat. Lidl will, wen wundert´s, einen Supermarkt bauen und zusätzlich sowohl wichtige Prälaträume in der Substanz erhalten als auch den Durchgang mit Spielplatz zwischen Haupt- und Feurigstraße bauen lassen. An der Hauptstraße will das Hospital Feierabendheim seine Kapazität durch einen Neubau erweitern. Dass nicht mehr geschehen soll, liegt daran, dass Lidl meint, sie könnten nur Waren verkaufen, und vielleicht finde sich durch das neue Leben neben dem Prälat ein Interessent für die denkmalgeschützten Räume.
Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bezirk ist erforderlich, weil der bestehende Bebauungsplan noch auf "Orienta" ausgelegt ist und geändert werden muss, bevor Lidl und die Evangelische Freikirche bauen können.








