Die S-Bahn rollt ...

02.05.2008: ... nicht mehr durch. S-Bahnhof eröffnet.

"1988, also mindestens ein Jahr später als ursprünglich geplant, wird der S-Bahnhof Kolonnenstraße wieder erbaut." Das schrieb ich im Juni 1986 in der SPD-Betriebszeitung für die Beschäftigten beim Bezirksamt Schöneberg. (Ja, so etwas gab es einmal.) Der Grund für die Verschiebung war die Überlegung, den neuen alten Bahnhof zum Umsteigebahnhof zu machen, die "Cheruskerkurve" wieder in Betrieb zu nehmen und die Züge der Anhalter Bahn dort entlang zu führen. Ursprünglich sollte die Wiederinbetriebnahme bereits 1987 erfolgen, drei Jahre nach der Übernahme der S-Bahn in West-Berlin durch den Senat und durch die BVG.

  
 

Postkarte: Wiedersehen macht Freude

Nun, zwanzig Jahre später war es soweit, um 12:57 Uhr war die erste planmäßige Abfahrt der S-Bahn. Der Bahnhof ist zwar noch nicht fertig, denn es fehlen die Aufzüge, die frühestens im November angebracht werden sollen, aber die Züge der Wannseebahn können hier Station machen. Täglich werden 13.700 Fahrgäste erwartet. Außerdem erhoffen alle durch die bessere Anbindung der "Roten Insel" und des Kaiser-Wilhelm-Platzes sowie des Crelle-Kiezes eine Verbesserung der Infrastruktur um die Kolonnen- und Hauptstraße.

Der Bahnhof hat zwei Bahnsteige, weil die Bahn die Option mit der Cheruskerkurve weiter offen hält und die Planungen für den Südteil der künftigen S 21 noch überdacht werden. Er wird kein Empfangsgebäude erhalten, wie es bis 1936 bestand.

  
 

Traditionszug, Traditions-Stationsname

Neu ist auch der Name: Julius-Leber-Brücke (Kolonnenstraße). Dies ist ein Kompromiss zwischen der SPD, die an den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und Widerstandskämpfer Julius Leber, der auf der Roten Insel wohnte und arbeitete, erinnern wollten, und der CDU, die daran kein Interesse hatte. Gut, dass die SPD ihren Beschluss mehrfach bekräftigte und sowohl gegenüber der Bahn als auch gegenüber dem Senat auf der Benennung bestand. Die Zugänge zu den Bahnsteigen liegen auch direkt auf der Julius-Leber-Brücke.

Damit hat der Bahnhof seinen dritten Namen: Seit 1839 gab es dort den Bahnhof Schöneberg für Züge zwischen dem Potsdamer Bahnhof und dem Dorf Steglitz. Seit 1872 hielten hier die Züge der Ringbahn zwischen Tempelhof und Berlin, seit 1882 auch die von Berlin nach Potsdam. Im Dezember 1932 wurde er in "Kolonnenstraße" umbenannt, weil an der Ebersstraße ein Bahnhof gebaut wurde, der "Schöneberg" heißen sollte. Das Jubiläum dieses Bahnhofs (Einweihung war im März vor 75 Jahren) wurde offenbar verschlafen. Seit der Zerstörung hielten ab Juli 1944 an der damaligen Siegfried- und heutigen Czeminskistraße (übrigens ein sozialdemokratischer Stadtverordnetenvorsteher und Stadtrat, Aufsichtsratsvorsitzender der Siedlung Lindenhof) keine Züge mehr. Das ist nun endlich anders.

Rainer Thamm

Info-Seite der S_Bahn Berlin GmbH:

www.s-bahn-berlin.de/aktuell/2008/113_julius-leber-bruecke.htm

Fernsehbeitrag RBB-Abendschau:

www.rbb-online.de/_/abendschau/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_mini_7397756.html

Fernsehbeitrag TV Berlin:

www.tvbvideo.de/video/iLyROoafYZUu.html
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